Im Rausch der Faben

Gräfin Edith von Brühl-Dierichs geht auch als Künstlerin ihren eigenen Weg. Das TOP Magazin besuchte sie in Mallorca.

Von Roderich Trapp mit Fotos von Heinz Eschmat

Gräfin Edith von Brühl-Dierichs ist eine zupackende Frau. Als Unternehmerin sowieso, aber auch als Künstlerin. Nicht Akribie, sondern pure Energie wird verströmt, wenn die Wuppertalerin zum Pinsel greift.

Das Produkt sind Bilder, aus denen Power und Lebensfreude nur so herausstrahlen.In wenigen Jahren künstlerischen Wirkens entstanden auf diese Weise schon rund 100 Werke, auf die Gräfin Edith dem TOP Magazin in ihrem Refugium auf Mallorca einen exklusiven Blick gewährte. Dass das ganz spezielle Licht und die Natur auf den Balearen Künstler alle Couleur auf besondere Weise inspiriert, ist nichts neues. Und wenn der Blick von der Terrasse des von Brühlschen Hauses weit über die Bucht von Palma streift, versteht man sofort, dass die Hausherrin diese Eindrücke auch auf der Leinwand festhalten möchte. Von hier oben können Gräfin Edith und Graf Rico von Brühl nicht nur dem spanischen König zuwinken, dessen Palast in Sichtweite auf der Steilküste thront, sondern auch jedes Schiff orten, das den Hafen der Mittelmeer-Metropole anläuft. Und eben dort, auf einem Schiff nämlich, erlebte die Begeisterung der Gräfin für den schwungvollen Pinselstrich ihre Initialzündung: "Es war vor fünf Jahren auf der Überfahrt nach Rio, da hatte ich viel Zeit und deshalb einfach mal mit Seidenmalerei begonnen..." Die ersten künstlerischen Gehversuche haben längst auf einen selbstbewusst eingeschlagenen eigenen Weg geführt, der viel mit Mallorca zu tun hat und sich in einer expressiven Bildsprache niederschlägt.

Blumen sind ihr bevorzugtes Motiv, Landschaften und Menschen ebenso. Vorbilder wie August Macke hat sie dabei zwar im Auge, aber inzwischen auch hinter sich gelassen.

Denn was alle ihre Werke eint, ist ihr bemerkenswert impulsiver Entstehungsprozess: Wenn Gräfin Edith malt, dann tut sie das mit voller Power. "Ein Bild muss in einem Tag fertig werden", ist ihr Credo, ?Malen soll Amüsement sein, keine Arbeit.? Kein Wunder also, dass die kreativen Phasen quasi anfallsartig kommen: "Seit acht Tagen bin ich wieder im Rausch", schmunzelt Gräfin Edith und deutet auf Staffelei und Werktisch auf der schattigen Terrasse. Ein Platz wie geschaffen zum Malen. Die Ergebnisse der kreativen Eruptionen sind im Haus omnipräsent. Sie begleiten den Besucher vom Eingang bis unters Dach und sorgen mit ihrer fröhlichen Farbigkeit für eine heitere Atmosphäre in den ohnehin schon lichtdurchfluteten Räumen.

Kurios dabei: Obwohl zahlreiche von Brühl-Dierichs Bilder mittlerweile schon als Dauerleihgabe ("Verkauft wird kein einziges!") bei Bekannten hängen, wird der Platz langsam knapp. Deshalb hält einstweilen die große Garage als eine Art Privatgalerie her, in der gerade zwei Bilder darauf warten, nach Teneriffa verschifft zu werden. Dort hat ein Freund des Hauses bereits einen eigenen "Edith-Salon" eingerichtet und wartet auf Nachschub. An dem mangelt es nicht, zumal Gräfin Edith immer experimentierfreudiger wird. Hier verarbeitet sie in einem Bild Sand vom Strand in Illetas, dort verwandelt sich eine typisch mallorquinischen Dachpfanne unter der sensiblen Hand der Künstlerin in ein gediegenes Ausstellungsstück. Und auch Orangenkonfitüre aus der Mühle von Santa Maria im ländlichen Hinterland von Palma gibt es inzwischen mit einem liebevoll gestalteten Etikett Marke von Brühl-Dierichs.

Die Malerei ist für Gräfin Edith von Brühl übrigens kein Selbstzweck. Was heute in Mallorca und anderswo entsteht, wird in ihre jüngst gegründete Stiftung eingebracht, die notleidende Kinder in Wuppertal unterstützt. Allein diese Tatsache verleiht den farbenfrohen "gräflichen? Bildern und Kunstwerken einen ganz eigenen Glanz...

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